Auf Gesundheit unserer Feinde (Trinklied)

Auf Gesundheit unserer Feinde,
stoßet an Mann für Mann !
Sie, die Gründer unseres Strebens,
die Entwickler unserer Kraft,
unseres höhern geist´gen Lebens
in der Kunst und Wissenschaft –
Unsere Feinde dort und hier !
ohne sie was wären wir ?
Hätten wir uns so gefunden,
so zu Freud und Leid verbunden ?
Stoßet an Mann für Mann
auf Gesundheit unserer Feinde !

Auf Gesundheit unserer Feinde !
Auf und dran ! Stoßet an !
Mögen ihre Ränke ranken,
möge wuchern ihre List !
Wir, wir wollen uns bedanken,
weil‘ s doch gut gemeinet ist;
Denn sie haben‘s gut gemeint,
haben uns so fest vereint,
Daß wir nur noch lächeln können
über das was sie uns gönnen.
Auf und dran ! Stoßet an !
Auf Gesundheit unserer Feinde !

Ich liebe den Sang ich liebe den Wein

Ich liebe den Sang, ich liebe den Wein,
den Frühling mit seinen Rosen,
ich liebe die blühenden Mägdelein,
mit ihrem Lächeln und Kosen.

Ich möchte verbannen die Sorg´ und das Leid
und jegliche trübe Stunde,
daß heimlich nur würde die Heiterkeit
auf diesem Erdenrunde.

Heil dem Herzen, das da strebt
die Sünde zu fliehen und zu hassen
und allem, was in Freuden lebt,
auch seine Freude zu lassen !

Doch euer Dichten, euer Trachten
will nur vernichten, was wir lieben und achten.
Ihr könnt den Trieb, den mächtigen
nach Freude, nur verdächtigen !

Was gilt euch eines Herzens Zug,
was seiner Lieb´ und Sehnsucht Flug ?
Euch ist jede menschliche Regung unerklärlich,
euch ist jede freie Bewegung staatsgefährlich.

Ha ! daß ihr nicht einem Freude gönnt !
Keinen wahrhaft erfreuen könnt !
Ihr Freudenverderber, ihr Lebenverkürzer,
ihr nennt mich einen – Weltumstürzer !

Ja, ich bin ein Weltumstürzer, ein stündlicher,
ein tatendurstiger, lustiger, gründlicher,
denn meine Welt voll goldigem Schein
ist diese Flasche mit kühlem Wein,
und ich wäre philisterdumm und kläglich,
wollt´ ich die Welt nicht stürzen um alltäglich.

Das Gefühl der Wahrheit müßt´ ich beleidigen,
wollt´ ich mich irgenwie noch verteidigen,
denn mein Vergehen kann jeder sehen:
Ich hab in der Hand hier den Tatbestand.

Draußen unter dem Kellerdach sehet nach !
Da stehen auf dem Küchenbrett wundernett
die Zeugen meiner Durstesqual allzumal,
die leeren Flaschen in langen Reih´ n –
die Schuld ist mein !

Ja, ich bin ein Weltumstürzer, ein stündlicher,
ein tatendurstiger, lustiger, gründlicher;
Denn die Flasche mit dem Wein,
das ist meine Welt allein,
und diese umzustürzen
bin ich bereit allezeit
zu meiner und anderen Lust,
keiner Reue mir bewußt.

Klein ist die Mühe, der Lohn ist groß,
denn diese Welt birgt in ihrem Schoß
die Fülle begeisternder Tugend,
die Lieb´ und Gemütlichkeit,
den Tatendrang der Jugend
und die Ahnung schönerer Zeit.

Dank ihm, der den Kummerwender,
dem Freudenspender,
den Saft der Reben
uns hat gegeben,
den Zaubertrank himmlischer Seligkeit
ins irdische Leben !
Kommt her, ich schenke dir ein !
Meine Freude soll dein,
mein Wein dein sein !

14. April 1854

Auf Brüder, laßt uns lustig sein (Gesellschaftslied)

Auf, Brüder, laßt uns lustig sein
bei Sang und Becherklang!
Stimmt an bei diesem kühlen Wein
nur mutig einen Sang!
Denn was wir singen, jedes Lied
hat die Zensur passiert,
auch sonst uns ja kein Leid geschieht,
wir sind ja toleriert.

Wie singt es sich, wie trinkt es sich
doch gar zu schön und gut,
wenn man so recht herzinniglich
nur was Erlaubtes tut;
wenn keine wilde Leidenschaft
das frohe Wesen stört;
wenn alles geht recht musterhaft
und wie es sich gehört.

Hier gilt ein frischer Lebensmut,
hier gilt das Frohe nur.
Wer traurig ist und mürrisch tut,
soll unter die Zensur!
Die streicht ihm alle Not und Pein
und allen Murrsinn aus.
Drum, Brüder, laßt uns lustig sein!
Stoßt an und trinket aus!

Wie groß ist unser Freuden Kreis!
Was ist nicht überhaupt
dem, der sich recht zu freuen weiß,
nicht alles noch erlaubt?
Erlaubt ist Freundschaft, Lieb und Wein
und auch ein traulich Wort.
Drum, Brüder, laßt uns lustig sein
und jagt den Kummer fort!

Ja, unermeßlich groß und weit
ist unserer Freuden Kreis:
die ganze Welt und jede Zeit
und auch das Paradeis.
Wir singen froh von allerhand,
was man nur denkt und glaubt.
„Wo ist des Deutschen Vaterland?“
ist uns sogar erlaubt.

Drum, Brüder, laßt uns lustig sein
bei Sang und Becherklang !
Stimmt an bei diesem kühlen Wein
nur mutig einen Sang!
Denn was wir singen, jedes Lied
hat die Zensur passiert.
Auch sonst uns ja kein Leid geschieht:
Wir sind ja toleriert

25. November 1842
Melodie: Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust

Schenket ein und stoßet an

Schenket ein und stoßet an:
Vivat was uns freute !
Ist es auch vor langen Jahren,
daß wir flotte Burschen waren,
ei, wir sind‘ s noch heute.

Auch noch heute haben wir
jugendvolle Herzen,
und im fröhlichen Vereine
wie dereinst bei Sang und Weine
Mut genug zu scherzen.

Hier soll kein Professor sein,
Doktor noch Magister !
Werfet ab die Lebensbürden,
Titel, Orden, Rang und Würden !
Fort mit dem Philister !

Wenn wir auch durch dies und das
sind getrennt im Leben,
wollen wir doch treuverbunden,
wie dereinst in frohen Stunden,
jetzt das Glas erheben.

Stoßet an und trinket aus:
Vivat was uns freute !
Wie wir einst vor langen Jahren
flotte deutsche Burschen waren,
sind wir‘ s auch noch heute.

29. September 1842, Straßburg
Melodie:
Gaudeamus igitur

Den Stöpsel weg und schenket ein (Trinklied)

Den Stöpsel weg ! und schenket ein !
Schenkt ein, daß unser Herz erglühe,
und wie die Blum‘ am Sonnenschein,
so an der Glut des Weins erblühe !

Den Stöpsel weg ! Dann wird es klar:
Was sich in einem Nu gefunden,
das ist sogleich für jedes Jahr,
ja für die Ewigkeit verbunden.

So recht ! Jetzt werft den Stöpsel fort !
Ei der verfluchte Kerkermeister,
der wollt‘ uns zwingherrn Wein und Wort,
und trennen alle guten Geister !

Der Stöpsel war Philisterei,
die uns nichts Gutes wollte gönnen –
Die Flasch und unser Herz ist frei,
und wir, wir zeigen, was wir können.

Den Teufel sah man eines Tags (Verwöhnung)

Den Teufel sah man eines Tags mit einer Seel´ entschweben
das war ein ungeratener Sohn vom Flecken Fallersleben.
Die Sonne brannte fürchterlich, schwül war es allerorten,
als wären plötzlich aufgetan die weiten Himmelspforten.

Da schrie das arme Unglückskind: „Ach, hätt´ ich Trank und Speise!“
Doch schneller, immer schneller ging dahin die lustige Reise.
Bei jedem Wirtshaus, das es sah, da fleht´ es um Erbarmen:
„O gönne doch ein Tröpfchen Bier, ein Tröpfchen nur mir Armen!“

Vorüber ging es pfeilgeschwind an Dörfern und an Krügen:
Dem Teufel machte nun einmal einkehren kein Vergnügen.
Vorüber ging es pfeilgeschwind an Quellen und an Teichen:
Es ließ sich nicht das harte Herz des Teufels mehr erweichen.

„O, gnädiger Herr von Satanas, o hab mit mir Erbarmen,
und gib doch, ich verschmachte schier, ein Tröpfchen Tau mir Armen!“
Da ließ der Teufel endlich sich zum Mitleid noch bewegen,
und flog zu einer Pfütz´ herab, voll Jauche, Schlamm und Regen.

Er tauchte seinen Schwanz hinein und ließ ihn dann geschwinde
hingleiten durch das trockene Maul dem armen Menschenkinde.
„Ha!“, rief es himmelhoch entzückt, zum Teufel augenblicklich,
„Wie schmeckt das Fallersleber Bier so wunderbar erquicklich!“

 7. Oktober 1840

Wann einst die Flaschen größer werden

Wann einst die Flaschen größer werden
wann einst wohlfeiler wird der Wein,
dann findet sich vielleicht auf Erden
die goldene Zeit noch einmal ein

Doch nicht für uns! uns ist geboten
in allen Dingen Nüchternheit –
die goldne Zeit gehört den Toten
uns uns nur die papierne Zeit

Ach! kleiner werden unsere Flaschen
und täglich teurer wird der Wein
und leerer wird´s in unseren Taschen
Gar keine Zeit wird bald mehr sein

Sprecht mir nicht von Pyramiden

Sprecht mir nicht von Pyramiden,
Mammuttierversteinerung !
Was dem Dichter ist beschieden,
lebt und atmet ewig jung

Nicht antikenvolle Räume,
nicht Papyrus, nicht Mebran
können ihn und seine Träume
Freud- und lebensvoll umfahn

Nicht der Moder in den Grüften,
Klosterzell und Burgverlies
taugen zu den reinen Lüften,
drin erblüht sein Paradies

>Weg mit allem Toten, Alten
und was sich ihm zugesellt !
Ich muß bilden und gestalten
aus dem Leben meine Welt

Alter Toter, dich nur ehr ich,
Bremer Ratsherrnkellerwein !
Niemals spott ich, niemals wehr ich,
stellest du dich bei mir ein

1836, Bremen , unter dem Titel: Dichterstudie

Das Glas in der Rechten (Trinklied)

Das Glas in der Rechten,
die Flasch‘ in der Linken,
so wollen wir fechten,
nicht wanken, nicht sinken !
Krieg dem Durst und Krieg dem Kummer !
Und ein Bündnis mit dem Wein !
Krieg der Nacht und Krieg dem Schlummer !
Schenkt mir Mut und Feuer ein !
Das Glas in der Rechten,
die Flasch‘ in der Linken,
so wollen wir fechten,
nicht wanken, nicht sinken !
Wohlig sitzen wir im Weinhaus,
unser Krieg ist wie ein Traum;
Selbst die Welt, das alte Beinhaus,
hat Respekt und rührt sich kaum.
Das Glas in der Rechten,
die Flasch‘ in der Linken,
so wollen wir fechten,
nicht wanken, nicht sinken !
Eine Flasche hat geschlagen
unsere Feinde kreuz und quer;
Und da stehen wir und fragen:
Gibt‘s denn keine Feinde mehr ?
Das Glas in der Rechten,
die Flasch‘ in der Linken,
so wollen wir fechten,
nicht wanken, nicht sinken !
Und das Ende von dem Liede ?
Ei, was machen wir uns draus !
Alles Strebens Frucht ist Friede –
Wir, wir gehen im Sturm nach Haus.
Juni 1829