Und wieder hatt es mich getrieben (Lied eines Verbannten)

Allgemein | | 2007

Und wieder hatt´ es mich getrieben
dahin, wo ich gewandert aus
Ich kehrte heim zu meinen Lieben
froh trat ich ein ins Vaterhaus.

Es zogen alte Kläng´ und Lieder
beseligend durch meine Brust:
Ich war in meiner Heimat wieder
im Reiche meiner Jugendlust


Da wollt´ ich unter Blütenbäumen
die alten stillen Tag erneu´n
und meine Kindheit wieder träumen
und mich wie Kinder wieder freu´n


Da wollt´ ich voller Sehnsucht warten
gelehnt auf meinen Wanderstab,
bis in dem öden Friedhofsgarten
grün würde meiner Mutter Grab


Doch nein – ich soll den Frühling sehen,
nur fern vom väterlichen Haus:
Ich bin verbannt – so muß ich gehen
in eine fremde Welt hinaus.

8. April 1843, Fallersleben