Was mir mein Sohn doch Kummer macht (Der alte Offizier und sein Sohn)

Was mir mein Sohn doch Kummer macht !
Er ist, das hätt ich nie gedacht
ein Demagog geworden.
Er wird nun avanciern nicht mehr,
er kriegt, bei Gott und meiner Ehr !
nicht einen einzigen Orden.

Er liest verbotene Schriften nur,
verspottet jegliche Zensur,
schimpft uns Aristokraten,
Er spricht vom wahren, freien Wort,
er räsoniert in einem fort,
sogar vor den Soldaten.

Er ist doch nicht als ein Soldat
und spricht von Schule, Kirch und Staat,
von Gott und allen teufeln,
Er sucht´ s verfluchte Freiheitsgift
den Offizieren durch Wort und Schrift
tagtäglich einzuträufeln.

Er spricht von schnöder Söldnerei,
von Sklaverei und Tyrannei,
er spricht von Menschenrechten.
Er darf doch auf der ganzen Welt
nur denken, wie er soll als Held
für seinen König fechten.

Ich selber bin ein Offizier –
was denkt der König nun von mir,
daß mir das muß passieren !
Jung, stell das Räsonieren ein !
Läßt du es nicht beizeiten sein,
Ich muß dich denunzieren

Eine wahre Geschichte, 1843

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