Wenn heut ein Geist herniederstiege (Deutschlands 18.Oktober, 18.März, 18.Mai)

„Wenn heut ein Geist herniederstiege!“
Sang einst ein deutscher Ehrenmann –
Was ward uns auch nach solchem Siege?
Sag an, was unser Volk gewann?
Nur dreiunddreißigjährige Frone,
nur sichere Aussicht auf den Tod,
und dann noch obendrein zum Lohne:
nie auszusprechen unsere Not.
Du unser 18. Oktober,
sag an, wo blieben deine Lober?

Auch wir, wir sind von Gottes Gnaden
fiel´ s endlich unserem Volk ein,
und rief von seinen Barrikaden:
Wir wollen freie Männer sein!
Da ward gejubelt und gesungen,
und alle Fürsten stimmten ein:
„Wir halten euch, was wir errungen:
Ihr solltet freie Männer sein!“
So war´ s am 18. des Märzen-
vergeßt es nie, ihr deutschen Herzen !

Das Volk vergaß der Fürstensünden
und sandte seine Männer aus,
die sollten Recht und Freiheit gründen
für Leib und Leben, Hab und Haus.
Die Männer aber bald vergaßen
des Volkes Souveränität,
und als sie ihre Pflicht ermaßen,
da war´ s für sie und uns – zu spät.
Wir freien Männer, ja wir freien!
s´ war mal für uns ein Tag im Maien!

Text: Hoffmann von Fallersleben am 12. Januar 1849
( aus dem Nachlaß ? )

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