Das Rätsel unserer Zeit

Politische Gedichte | | 1842

Klar ist es jetzt ausgesprochen vor ganz Europa, nicht durch das schreiende Volk, sondern durch die verbündeten Fürsten selbst, daß eine jede Regierung ohne repräsentative Verfassung ein Surrogat, ein interimistischer Notbehelf ist; sie, die Fürsten haben vor Mit- und Nachwelt das Geständnis abgelegt, daß ihre Würde, ihre echte Gewalt mit der Freiheit der Völker stehe und falle. Wer wagt es, mit der Behauptung aufzutreten, daß die Fürsten nur täuschen wollten ? (Steffens, Karikaturen des Heiligsten 1819, 1, 143)

Wir haben manches Ungemach ertragen,
wir zogen freudig wie in heiligen Krieg,
wir haben manche heiße Schlacht geschlagen,
gewonnen manchen ehrenreichen Sieg.

Wir setzten unser Leben ein zum Pfande
für unsere Fürsten treu aus Kindespflicht.
„Was aber ward dafür dem Vaterlande?“
Frag du die Zeitgeschichte, frag mich nicht!

Und als des Feindes Übermut nicht wankte,
da bebten unsere Fürsten insgeheim,
und als im Kampf des Schicksals Waage schwankte,
da hörten wir sie alle um Hilfe schreien.

Da setzten sie ihr Fürstenwort zum Pfande:
Ja, eine schönere Zeit wird euer Lohn!
„Wann kam die schönere Zeit dem Vaterlande?“
Frag du mich nicht, die Frage ist Spott und Hohn.

Und als der Sieg nun endlich war entschieden,
da träumten wir von einem hohen Glück:
Frei ist das Vaterland und mit dem Frieden
kommt die verheißene schönere Zeit zurück.

„Wann werden unseres Glückes Sterne scheinen?
Wann dringt in unsere Nacht ein Hoffnungslicht?“
O weh, ich kann nur klagen, kann nur weinen –
Frag du die Zeitgeschichte, frag mich nicht

12. März 1842
Melodie: Denkst du daran mein tapferer Lagienka