Zum Jahrmarkt (Jahrmarktslied)

Zum Jahrmarkt ! heißt die Losung heut,
drauf haben wir uns längst gefreut.
Da kann man kaufen, hören, sehn
und ohne Geld nach Hause gehen.

Krambuden hier in langen Reihn !
Die Krämer schrein: „Kauft ein ! Kauft ein !“
Gedräng und Lärm, Musik und Sang –
sollt einem werden Angst und Bang.


Im Adler zapft man neuen Wein,
Tanz soll im wilden Manne sein –
Was hat es weiter denn für Not ?
Im weißen Roß ist Table d‘hote.


Kunstreiter auf dem Rasen dort !
Hört, wie sie blasen immerfort
Hanswurst macht seine Possen auch
und hält vor Lachen sich den Bauch.


Zum Lottotisch heran ! heran !
Setzt ihr nur einen Batzen dran,
gewinnt ihr Porzellan und Glas
und habt für einen Gulden Spaß.


Hier ist zu sehen, ganz wundernett !
Ein Wachsfigurenkabinett:
Die Potentaten aller Welt
und heut ums halbe Eintrittsgeld !


Der alte Fritz mit Stock und Zopf
und Tressenhut auf seinem Kopf,
Napoleon, der große Mann
und Schinderhannes neben dran.


Hier präsentier ich selber mich,
der Leiermann von Bieberich.
Nun kauft das schöne Lied mir ab,
was ich für euch gedichtet hab.


Noch einen Rat zu guter Letzt:
Jetzt einen Schoppen drauf gesetzt !
Und dann spazieret froh nach Haus,
legt euch zu Bett und schlafet aus !


In dem Band “ Rheinleben “ erschien dieses Gedicht 1851 erstmals unter dem Titel „Der Leiermann von Bieberich“, später ließ Hoffmann die letzten drei Strophen weg, gab dem ganzen den Titel Jahrmarktslied und hängte noch folgende Strophe ans Ende des Gedichtes:


O welch Vergnügen aller Art !
Und wer sein Geld noch hat gespart,
der kann´s verreiten hier ganz schnell:
Er setzt sich auf das Karussel.


Schon war aus einem nicht völlig unpolitischen Gedicht ein Kinderlied geworden.

 November 1850
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