Maitrank

Es ging ein Handwerksbursche

Es ging ein Handwerksbursche noch spät im Dämmerschein, da fiel er unversehens in eine Grub´ hinein. Und unten in der Grube, da stöhnt´ s und regt es sich. Das ist ein Wolf, so denkt er, O Gott, wie rett´ ich mich! Den Wolf sich abzuwehren, heult er so gut er kann; gleich fängt sein Hausgenosse […]

Politische Gedichte | 1844


Was lange währt wird gut

Mit meinem Liebchen an der Hand ist mir die Zeit entflohen O weh mir armen Lieutenant, wie lange wart´ ich schon! Bezög ich doch nur bald, ja bald la la la la la la la la la la Das Kapitänsgehalt! Zehn Jahre bin ich Kandidat, zum Warten wie verdammt. O glücklich wer ein Liebchen hat […]

Politische Gedichte | 1844


Lauter Triftige Gründe

„Deutscher Mann, willst du sprechen nicht auch ein freies Wort?“ O nein, ich kann nicht sprechen, es ist hier nicht am Ort. Ich will noch werden allerlei, und wenn ich sprech ein bißchen frei, so werd´ ich weiter nichts. „Deutscher Mann willst du sprechen nicht auch so frei wie wir?“ O nein, ich kann nicht […]

Politische Gedichte | 1844


Ein erster Mai (Der erste Mai)

Ein erster Mai – nur eine Hoffnung die Hoffnung, die der Frühling gibt. O Vaterland, was soll das Herz tun das dich so treu und innig liebt? Es soll aus diesem Frühling lernen daß auch dein Frühling einst erscheint Ein Mai, der jede Träne trocknet die jetzt um dich die Liebe weint Und doch betrübt […]

Frühling | Politische Gedichte | 1844


Ein Deutscher muß recht gründlich sein

Ein Deutscher muß recht gründlich sein, und anders tut er´ s nie. Hat er am Ärmel einen Fleck, studiert er die Chemie. Und er studieret Jahr und Tag, bis er´ s herausgebracht, wie man aus Leinwand, Seid´ und Tuch die Klecks´ und Flecke macht Und wenn er endlich alles weiß, dann ist es allerlei: Zwar […]

Deutsches | Politische Gedichte | 1844


Lied eines pensionierten Poeten

Einst hab ich auch gesungen fürs liebe Vaterland, und wie war ich doch begeistert und für Freiheit entbrannt! Was half mir die Begeisterung? Ich litt dabei nur Not: Jubelnd sang ich Freiheitslieder und ich hatte kein Brot Es paßt die Knechtschaft besser für den gelehrten Stand: Kaum gedacht noch, und es hatte gleich das Blatt […]

Dichtung und Wahrheit | Spott auf Obrigkeit | 1844


Der Frühling ist wiedergekommen

Der Frühling ist wiedergekommen, die Sonne, die scheinet so heiß, sie rufet hervor in das Leben so manches Gewürm und Geschmeiß. Von allem Geschmeiße das Schlimmste, das schlimmste in der ganzen Natur, das sind die politischen Philister, das sind die Gemäßigten nur. Sie schwirren am Baume der Freiheit und tun mit ihm freundlich und fein, […]

Politische Gedichte | 1844


Bei des Storches Wiederkehr

Habt Ihr ihn noch nicht vernommen? Auf dem Dache sitzt er schon Unser Storch ist heimgekommen Hört doch, hört den frohen Ton! Klappre du, klappre du klapp klapp klapp Klappre du, klappre du immerzu Ja, du bist nun eingetroffen nach so mancher Winternacht hast enthüllet unser Hoffen und den Frühling uns gebracht Klappre du, klappre […]

Frühling | Gedichte mit Tieren | 1844


Bei einer Pfeif Tabak (Das erwachte Bewußtsein)

Bei einer Pfeif Tabak, bei einer Pfeif Tabak bei einer guten Pfeif Tabak, und einer Flasche Bier politisieren wir Juja ! Juja ! Wie glücklich ist fürwahr der Staat der solche Bürger hat, der solche Bürger hat. Da wird dann viel erzählt, ganz viel wird da erzählt gar viel und mancherlei erzählt gestritten und gelacht, […]

Politische Gedichte | 1844


Ja verzeihlich ist der Großen Übermut (Kriech Du und der Teufel)

Ja, verzeihlich ist der Großen Übermut und Tyrannei denn zu groß und niederträchtig ist des Deutschen Kriecherei ! Sieht ein Deutscher seines Fürsten höchsterbärmlich schlechten Hund tut er gleich in schönen Worten seine Viehbewunderung kund sieht ein Deutscher seines Fürsten altersschwaches Pferd ist er freudig doch ergriffen von des Gaules früherem Wert sieht ein Deutscher […]

Deutsches | Philister | 1844


Meistgelesen in: Maitrank


Maitrank:  Hoffmann von Fallersleben: Maitrank. Neue Lieder. Paris, Renardier 1844.  1 gefaltete Notenbeilage in Lithographie. 31 zeitkritische Lieder, die nicht im Buchhandel waren und mit fingiertem Druckort erschienen. Hoffmann berichtet in ‚Mein Leben‘, IV: „Drucker und Verleger wurden nie, auch mir nicht einmal, bekannt“. Das Manuskript hatte er während seines Aufenthaltes in Mecklenburg im Mai 1844 einem Freunde übergeben.