Subordinationswidrig

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Da erhielt ich einen Brief vom Minister, worin mir meine Bitten sehr artig abgeschlagen wurden, und – das war leicht zu verschmerzen. Aber kränken, ja empören mußte es mich, als einige Wochen später ein Schreiben des Ministeriums erfolgte, worin meine Vorstellung anmaßend und subordinationswidrig genannt wird und ich mit empfindlicheren Maßregeln bedroht werde pp. und man mir andeutet, ich müsse eine andere Vorstellung machen.

Das werde ich nie tun, und kann es nie tun, weil ich mir bewusst bin, daß ich nirgends die Unwahrheit gesagt, nirgends subordinationswidrig gehandelt habe, und mag nun folgen, was da will, – besser ein ehrlicher Mann und sollte ich auch als Opfer einer niedrigen Kabale fallen. Ich bin auf alles gefasst.” H. hatte um Verbesserung seiner Stellung gebeten, die ihm unerträglich schien.

3.3.1828, Breslau, an seinen Bruder Daniel Hoffmann in Berlin;

Bei der Feier anläßlich des Geburtstages von Dürer am 20.5.1828 hält Hoffmann eine Rede, in der er von einer eigenständigen deutschen Kultur träumt, und gegen die Nachahmung des klassischen spricht. Neben der Ausrichtung solcher Feste gab der Künstlerverein Breslau “Societätsschriften” heraus, regelmäßig erschienen darin Buchbesprechungen mit denen sie sich in kürzester Zeit unbeliebt machten, besonders bei der konservativen Vaterländischen Gesellschaft” Der bedeutendste Gegner hierbei war ein Kunst- und Altertumsforscher.

Hoffmann verfolgte weiterhin verschiedenen Projekte, das neueste war eine Monatszeitschrift von und für Schlesien, die Ergebnisse seiner volkstümlichen Forschungen und Sammelleidenschaft enthalten sollte. Doch gab er die Idee mangels Finanzierbarkeit bald wieder auf.

Nun war Hoffmann schon im sechsten Jahr Hilfsbibliothekar, eine Stelle eines ordentlichen Bibliothekars stand nur einem Professor zu und versuchte sein Bruder Daniel, sich in Berlin für ihn einzusetzen. Allerdings sollte Hoffmann sich ruhig verhalten und nicht mehr opponieren, statt dessen auf die Habilitation hinarbeiten. Doch dieser glaubte nicht an eine Chance, man wolle ihn in Breslau als Handlanger.

Und tatsächlich, bei den zuständigen Stellen in Breslau hielt man ihn für völlig ungeeignet: “Den hiesigen Bibliotheks – Custos Dr. Hoffmann hält die hiesige philosophische Fakultät zu dieser Lehrstelle gar nicht geeignet und zwar notorisch mit vollem Recht, denn er hat weder den hierzu nötigen, tief eindringenden philosophischen Geist, noch die ernste Studien – Assiduität (Ausdauer), noch Vorlesungsgabe.” hieß es.

Jetzt hatte Hoffmann es schwarz auf weiß, ohne sich weiter um eine Erlaubnis zu bemühen eilte er nach Berlin und bat den Minister um Entlassung. Dieser lehnte ab und sicherte ihm stattdessen zu, ihm zur Professur zu verhelfen. Sein Freund Meusebach bemerkte dazu: “Nein, Sie sind doch ein Glückskind ! Laufen aus Breslau fort – und zur Belohnung macht Sie der Minister zum Professor!” Die Autorität der Breslauer Universitätsleitung war damit erstmal am Ende.