Dichtung und Wahrheit

Rosen und Lilien aufs Papier

„Du mußt schreiben, rief ich, schreiben, sonst glaubt niemand, daß du noch nicht an Altersschwäche gestorben bist ! Sie glauben doch auch, verehrter Freund, daß es ein Leben gibt, welches dem totsein ähnlich ist?“ (Briefe, S. 36) – Und einen Tag später schreibt er erneut an Meusebach in Berlin: Ich lebe heute nach langer lieber […]

| 1824


Wo kann der Dichter froher sein

Wo kann der Dichter froher sein und singen so von allerhand, von Tugend, Freundschaft, Lieb‘ und Wein. Von König, Gott und Vaterland, als uns das Glück vergönnet, als ich und ihr es könnet unter des deutschen Bundes schützenden Privilegien ? Wo ist ein Land doch weit und breit, das so den Dichter liebt und ehrt, […]

| | 1841


Das satirisch politische Lied als Waffe

„Erst seit ungefähr einem Jahr ist abermals eine politisch – literarische Macht entstanden, die zwar mit unsichtbaren Waffen ficht, aber um so tiefere Wunden den bestehenden Staatsverhältnissen schlägt, je weniger schmerzlich dieselben für den ersten Augenblick empfunden werden. Diese Waffe ist das satirisch – politische Lied, welchem durch Witz, Ironie, derber Anschauungsweise und Humor, für […]

| 1841


Goethescher Farbenwechsel

Der Goethe war fürs Vaterland und deutsche Freiheit einst entbrannt: Er schrieb den Egmont, Götz und Faust, daß manchen Fürsten jetzt noch graust. Doch Herr von Goethe ward er bald, für Vaterland und Freiheit kalt; Ei, wie es wunderlich doch geht! Der Goethe ward ein Hofpoet. Der Goethe lobte Hutten sehr, bewies ihm eine große […]

| | 1841


Ihr Dichter wollt ihr Lieder singen (Gradus at Parnassum)

Mancher kommt zu großem Unglück durch sein eigenes Maul. (Sprüche Salomonis, 16, 26.) Ihr Dichter, wollt ihr Lieder singen, Vivallerallerallera ! So denket stets vor allen Dingen, Vivallerallerallera ! In eures Geistes Trunkenheit, daß ihr auch Untertanen seid. Vivallerallerallera ! Und hat der Himmel euch hienieden Vivallerallerallera ! Nun gar ein Staatsamt noch beschieden, Vivallerallerallera […]

| | 1842


Nur eine deutsche Sängerkehle (Frühling 1842)

Nur eine deutsche Sängerkehle, dort an der Oder lautem Strand, sie trauert mit getrübter Seele, durch strengen Urteilsspruch gebannt Gerichtet ward der Dichter, dessen Gerichtshof Herzen sollten sein, von Männern, die noch nie ermessen, daß Frühling, Frühling bricht herein ! – O Herr ! es drängt die Dichterblicke, daß sie in allem groß dich sehn, […]

| 1842


Ein politisch Lied ein garstig Lied

Ein politisch Lied, ein garstig Lied, so dachten die Dichter mit Goethen und glaubten, sie hätten genug getan, könnten sie girren und flöten ! Von Nachtigallen, von Lieb und Wein, von blauen Bergesfernen von Rosenduft und Lilienschein, von Sonne, Mond und Sternen doch anders dachte das Vaterland, das will von der Dichterinnung keinen verbrauchten Leiertand, […]

| | 1842


Gib mir poetisches Genie

Gib mir poetisches Genie Ideen, Witz und Phantasie! So wandte sich vertrauensvoll ein Fürst zum Musengott Apoll Und gibst du diese Gaben mir so bau´ ich einen Tempel dir so schön wie einst Walhalla war die dir erbau´n hieß ein Barbar Der Gott der kannte seinen Mann Er dachte: warte nur, Tyrann ! Es hat […]

| | 1843


Wollt ein König mir doch geben Pension (Schweigetaler)

Alle laufen, sich zu verkaufen; glaubt nicht, daß ihr´ s allein versteht, auch ich, ich werde Hofpoet. (Béranger) Wollt´ ein König mir doch geben Pension ! O wie ließ´ ich ihn hoch leben, o wie würd´ ich ihn erheben! Pension! Sagt, was kann von euch erwerben unsereins? Soll ich denn vor Hunger sterben? Soll und […]

| | 1843


Lied eines pensionierten Poeten

Einst hab ich auch gesungen fürs liebe Vaterland, und wie war ich doch begeistert und für Freiheit entbrannt! Was half mir die Begeisterung? Ich litt dabei nur Not: Jubelnd sang ich Freiheitslieder und ich hatte kein Brot Es paßt die Knechtschaft besser für den gelehrten Stand: Kaum gedacht noch, und es hatte gleich das Blatt […]

| | 1844


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