Wenn ich dann so einsam wandelte…

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“Am 23. August kehrten die meisten Hannoveraner heim. Da Wetter war schön, schöner noch die Erinnerung an diese lieben Leute aus dem Lande Hadeln in ihrem schlichten, treuherzigen Wesen, die mir so herzliche Teilnahme bewiesen hatten. Den ersten Augenblick schien mir Helgoland wie ausgestorben, ich fühlte mich sehr verwaist. Und doch tat mir bald die Einsamkeit recht wohl: ich freute mich, daß ich nach den unruhigen tagen wieder einmal auch mir gehören durfte. Wenn ich dann so einsam wandelte auf der Klippe, nichts als Meer und Himmel um mich sah, da ward mir so eigen zumute, ich mußte dichten und wenn ich es auch nicht gewollt hätte. So entstand am 26. August das Lied “Deutschland, Deutschland über alles!”… Auf dem Festland zeigte einen Tag zuvor der Breslauer Universitätskurator und Polizeipräsident Heinke dem Kultusminister Eichhorn (1779 – 1856) das Erscheinen des 2. Teils der Unpolitischen Lieder und ihre außerordentliche Wirkung in Breslau an. Er folgte damit einer kurz voran gegangenen Anweisung Eichhorns, den ersten Fall, daß Breslauer Professoren unziemliche Äußerungen über die bestehenden staatlichen Verhältnisse tun sollten, ihm mitzuteilen.
Hoffmann fährt für eine Woche nach Hamburg zurück, wo er vom 6.-14.9-bleibt. Hier erfährt er, daß der zweite Teil der Unpolitischen Lieder zunächst 4000 mal gedruckt wurde und schon nach ein paar Tagen vergriffen ist, 400 Exemplare des “Liedes der Deutschen” wurden an einen Buchhändler in Breslau geschickt. Er verbringt noch ein paar Tage in Helgoland und kehrt dann nach Hamburg zurück.

Am 5. Oktober, nach Hoffmanns Rückkehr aus Helgoland, singt die Hamburger Turnerschaft von 1816 zu Ehren des freisinnigen Professors Karl Theodor Welcker, Hoffmanns Lehrer in Göttingen und Bonn, erstmals “bei Fackelschein und mit Begleitung von Hornmusik “Deutschland, Deutschland über alles.” Eine Rede wird gehalten, dann ertönt “ein Hoch aus tausend Kehlen. Seit der Anwesenheit Blüchers in Hamburg soll man solche Begeisterung, solche Einmütigkeit nicht gesehen haben.” Hier nimmt Hoffmann in seiner Biographie noch einmal deutlich Bezug auf die Befreiungskriege. Ganz deutlich schreibt er vom Kampf, es geht um die “gerechte Sache” und “das Recht weiht unsere Waffen”. Hoffmann war klar geworden, daß er sein bisheriges Leben nicht weiter leben konnte. Und tatsächlich führte nach den Unpolitischen Liedern kein Weg zurück.