Auswanderer nach Amerika

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Er zieht weiter nach Hamburg, wo er Gast des hamburgischen Quartettvereines ist. “Acht vergnügte Tage”, heißt es seinen Erinnerungen. Eines schönen Nachmittags blickt er mit einem Freund hinaus auf die Elbe. “Da kommt den Strom herab ein großer Dampfer; die Flagge sieht aus wie eine Trauerflagge; sie ist vom Dampfe so geschwärzt, daß sich kaum eine Farbe erkennen läßt. Auf dem Verdecke sind viele Menschen, sie sitzen ruhig und still – ein Auswandererschiff. Uns kommen die Tränen in die Augen.”

Sicher hat ihn da auch seine eigenen Situation angerührt, so viele seiner Freunde haben das Land schon verlassen, und oft hat man es auch ihm nahegelegt. Mit seinem Vetter reist er weiter nach Schleswig – Holstein. Die Rendsburger empfindet er als von Dänen dominiert, zu ruhig, zu kühl.

Anfang Oktober trifft Hoffmann, der inzwischen wieder in Mecklenburg ist, den Pastor Fuchs. Dieser ist im Begriff nach Texas auszuwandern. Man ist gerührt, und auch Hoffmann denkt darüber nach, wie es wäre, auszuwandern. ”

Den 11. Begleite ich die Auswanderer nach Güstrow. Wir singen noch einmal: “Hin nach Texas!” Es ist ein schwerer Abschied.Ich fahre dann betrübt weiter nach meinem vorläufigen Texas, nach Holdorf. Es folgen stille Tage. Ich bin ernst und dabei sehr unruhig. Den Tag , als das Auswandererschiff nach Texas geht, bin ich sehr traurig gestimmt; ich habe viel weinen müssen.”

Der einzige Brief, den Gerstenberg in seiner Ausgabe von Briefen an seine Freunde aus dem Jahre 1845 mitteilt, ist vom 25.11. 1845 an Friedrich Zarncke in Leipzig, geschrieben in Holdorf. “Die Leipziger Buchhändler haben so viel um die Ohren, daß sie sich um Freundschaftsdienste nicht bekümmern könne., weil die nicht ein bringen. Schade, daß ich nicht selbst nach Leipzig gekommen bin. Aber wie darf es unser eins wagen, jetzt zu kommen. Nach den Leipziger Ereignissen habe ich meine Reise dahin sofort aufgegeben. Ich war darüber – und bin es noch – so empört, daß ich ernstlich an Texas gedacht habe. Unser armes unglückseliges Vaterland ! Wir sind zum Dulden und Schweigen verdammt und sollen bei lebendigem Leibe verfaulen. Ein Deutscher muß einen Straußenmagen haben, um diese harte, steinharte Zeit zu verdauen. Hin und wieder ein Hoffnungsstern, aber was will das heißen ?