Literarisches Comptoir in Zürich

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Am 16. Oktober ist Hoffmann in Zürich. Er wohnt wieder bei Adolf Follen, der ihm die frisch gedruckten “Hoffmannschen Tropfen”, 35 neue Lieder, zeigt. Follen reagiert positive auf die Lieder, die er während seiner Italienreise gemacht hat. Hoffmann dichtet noch eine ganze Reihe dazu, bis er 40 beisammen hat. Er legt sie Fröbel und Follen vor, findet Beifall für seinen Titelvorschlag “Diavolini”. Sie erschienen in dem “Deutschen Taschenbuche”, herausgegeben vom “Literarischen Comptoir”. Er genießt den Oktober, arbeitet morgens und geht nachmittags spazieren. Hier in Zürich wird er auch vom Aufstand der “Schlesischen Weber” erfahren haben. In seinem Neujahrslied für 1845 hat er das Elend der schlesischen Weber aber gleich auf alle Deutschen verallgemeinert. Ihn interessierte das “deutsche” Elend, nicht das der Arbeiter.

“Wir wollen für die Weber Brot, für keinen Deutschen Durst und Not,
dann mag von dem was übrig bleibt, der Rothschild Austern schlürfen.”
Am 30. Oktober fährt Hoffmann nach Winterthur, um mit Fröbel das Geschäftliche zu regeln. Dieser rechnet offen und übersichtlich ab, insgesamt sind in anderthalb Jahren etwa 18.000 Bände gedruckt worden, 500 davon durch die Obrigkeit konfisziert. Hoffmann hatte ein Guthaben von 786 fl. Und 40 Kreuzern. Er bleibt bis zum 4. November und verlebt einige frohe Tage bei Fröbel. Von dem Geld hat er allerdings nie etwas bekommen, da das “Literarische Comptoir” bankrott ging.
Fröbel schreibt später in seinen Lebenserinnerungen über den Aufenthalt Hoffmanns bei ihm:

Auch mit Hoffmann von Fallersleben habe ich auf einige Zeit zusammengelebt. Während ich von 1843 auf 1845 in Winterhur wohnte, ist er mehrere Monate mein Gast gewesen, und in meinem Hause sind mehrere seiner Gedichte, oder vielmehr Lieder, entstanden — denn er pflegte nicht selten singend, immer aber laut zu dichten. Er wohnte neben meinem Arbeitszimmer; ich konnte also den sehr vernehmlichen Eingebungen seiner Muse zuhören und ist mir der Entstehungsprozeß mancher seiner Dichtungen sehr deutlich im Gedächtnis geblieben. So hörte ich ihn eines Morgens die Melodie: “Frisch auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!” anstimmen und vernahm dazu die all-mählich sich zusammenfügenden Worte:

Der Morgen graut, der Regierungsrat
— — — — der Regierungsrat
— — — — Regierungsrat
Sitzt schon bei seinen Geschäften
— — — — Geschäften,
Ist ausgerüstet für Kirch’ und Staat
Mit frisch erneuerten Kräften, usw. —

So war mir der Mann ein heiterer und erheiternder Geselle, dessen derbes breitschultriges Wesen sogar, wie er nicht ohne Eitelkeit mir selbst erzählte, den Winterthurer Lastträgern so sehr imponierte, daß sie auf der Straße vor ihm respektvoll den Hut zogen. (Julius Fröbel)