Es ist der Anfang des Kampfes

.

Die rote Fahne wird über ganz Europa wehen ! “Brüder verzaget nicht.” 5 Ggr. Ein Müller wird gesucht, der die Bereitung des Maitranks gründlich versteht. (alles aus aufgeklebten Zeitungsausschnitten zusammen gestellt)
Also Brüder nicht verzagt ! 5 Ggr ! Ich habe von dem großen Putsch des Jahres 48 nie die Erfüllung unserer Hoffnungen erwartet. Es ist der Anfang des Kampfes, der für uns und ganz Europa durchgekämpft werden muß. Traurig wäre es, wenn wir jetzt schon die Waffen wegwerfen wollten, jetzt, wo wir eben erst zum Widerstande erwacht sind und unsere Einsicht und unser Selbstbewußtsein wächst und reift. Im Gegenteil, wir müssen mit den Waffen, die uns nicht genommen werden können, kämpfen, bis der Kampf entschieden ist. Frisch auf denn mit Ernst, Ingrimm, Begeisterung, Scherz, Spott, Hohn, Witz und Humor ! Das ist wenigstens meine Ansicht, mein Wunsch und Wille, und ich fahre eben deshalb da fort, wo ich vor zehn Jahren stehen blieb. Das Parlament zu Schnappel findet vielleicht nicht den Anklang, den es haben will. Es gibt zu viele verzweifelte Naturen, die schon alles für verloren halten, denen auch das Bestreben anderer fortzukämpfen eitel und nichtig erscheint. Wag es ! Kampf ist Leben, und eben darum werde ich kämpfen und wenn ich wirklich fest überzeugt wäre, daß alles erfolglos bliebe.” (Am 28.4.1850 aus Bingerbrück, an Rudolf Müller in Holdorf )
Der Mut in dieser Situation wirkt seltsam aufgesetzt, die Wirklichkeit ist auch eine andere. In Mecklenburg wird die Opposition grausam unterdrückt. Der Großherzog von Schwerin setzt nach und nach reaktionäre Ausnahmegesetze durch. Sogar das Züchtigungsrecht der Gutsherren wird wieder eingeführt. Und Hoffmann selbst ? Er wird verhört, muß vorsichtig sein. Er er hat kein Geld, noch immer bemüht er sich um den Verkauf seiner Bibliothek. Er verhandelt wieder mit dem Oberbibliothektar Pertz: Am 20. Mai 1850 bietet dieser ihm 1000 Taler, nachdem vorher über das doppelte geredet worden war:
“Ich war außer mir. Einen wohlhabenden, angesehenen, regierungsbeliebten und in seinen Augen anständigen Manne hätte der Herr Geheimrat so etwas nie zu bieten gewagt, aber einen gemaßregelten, verfolgten, endlich wieder amnestierten armen Teufel wie mir konnte er mit vergnügter Aussicht auf Erfolg einen solchen Spottpreis bieten. Ärgerlich über die bisherigen zeitraubenden und kostspieligen und immer vergeblichen Bemühungen, meine Bibliothek zu verwerten, entschloß ich mich endlich, dieser Quälerei ein Ende zu machen, zumal nun auch der letzte Versuch gescheitert war, ein höheres Gebot beim Herrn Geheimrat Pertz zu erzielen, und schrieb ihm, daß ich sein Angebot annähme.” (Mein Leben)