Politische Gedichte

In einem schönen Land ein Völkchen war

In einem schönen Land ein Völkchen war das lebt´ in tiefem Frieden manches Jahr. An einem König hatten sie genug, gemein war allen, was der Boden trug, nur daß sich jeder zweimal scheren ließ, sonst war´ s ein Leben wie im Paradies Ihr König hieß Leithammel nur schlechtweg, er kannt´ im Lande jeden Weg und […]

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Frau Seele schaffet Tag und Nacht

Der Herr von Leib regierte jetzt, ein ganz gewaltiger Mann, er ist gar wert und hochgeschätzt, und bleibt es auch fortan, denn viele Millionen sind ihm Untertan mit Weib und Kind. Frau Seele schaffet Tag und Nacht, das arme gute Weib, gräbt edles Erz aus manchem Schacht und nur für Herrn von Leib, denn Herr […]

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Nichts will bei uns mehr gehen

Nichts will bei uns mehr gehen, weil wir auf‘s Stehen nur sehen, drum lassen wir auch unsere Heere stehen. Nur ihnen ist zu danken, daß wir in unseren Schranken nicht kommen in ein mißlich Schwanken. Doch steht vor diesen Heeren, Leibwachen mit Gewehren, ein groß Gedankenheer mit Schwert und Speeren. Wenn beide sich bekriegen, wer […]

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Heute rot und morgen tot

Heute rot, heute rot, Heute rot und morgen tot. Daß ein Wort dich könnte fällen, schien sich niemand vorzustellen, aber, aber es geschah Nur ein Wort, nur ein Wort, die Verfassung war gleich fort; Eid und Treue und Gewissen wurden wie Papier zerrissen, und was war´ s denn weiter auch! Denn die Welt, denn die […]

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Ihr denket jetzt uns blieb nur das Gedächtnis (Die Denkmalwütigen)

Ihr denket jetzt: uns blieb nur das Gedächtnis der weiland großen Taten zum Vermächtnis, und haben wir ein Denkmal nur gesetzt, ist Großes auch von uns geschehen zuletzt. Vergnügt euch nicht, daß uns die großen Ahnen an unseres Volkes Größ‘ und Tugend mahnen ! Das Große laßt uns selber stets erneu‘ n so kann uns […]

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Dies Geschlecht das in Vokabeln

Dies Geschlecht, das in Vokabeln wie der Ochs´ im Joche zieht, das vor grauen Götterfabeln keine Gegenwart mehr sieht Dies Geschlecht, es schien geboren nur in Rom und in Athen, und wie Deutschland ging verloren, ließen sie es gern geschehen Wenn nur Götterruh und Frieden ihre matte Seele fand, nun, das war für sie hienieden […]

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Was ihr von Lichtrecht schreibt (Licht- und Fensterrecht)

Was ihr von Lichtrecht schreibt und sprecht ! Uns ward ja nur ein Fensterrecht: Hinein darf wohl das Licht ins Haus, doch leider darf kein Licht heraus. O gute gnädige Natur ! Sind unsere Augen Fenster nur ? Und soll der Geist zufrieden sein mit allem was man bringt hinein ? 3. März 1840 – […]

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Die liberalen Modegecken

Du schwörest allem Untergang was je dich hemmt in deinem Frieden, verfluchest den Gewissenszwang und Geistesdruck hienieden Du schreist nach Freiheit, schreist nach recht im Anblick großer Kriegesheere, o du großmäuliges Geschlecht, und dich beherrscht die Schneiderschere  7. März 1840, Unpolitische Lieder , 1.Teil

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Freilich Luthers Zeiten hatten

So wäre es vielleicht manchem Schriftsteller vom Anfange des 19. Jahrhunderts in protestantischen Ländern nicht zu verdenken, wenn er sich einen schicklichen und bescheidenen Teil von derjenigen Preßfreiheit wünschte, welche die Päpste zu Anfange des 16. ohne Bedenken allgemein zugestanden haben. (Fichte, Reden an die deutsche Nation, Berlin 1808, S.12) Freilich, Luthers Zeiten hatten Schatten […]

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Ihr müßt durch alle Schule

Ihr müßt durch alle Schule wandern und schon von Kindesbeinen an, von einem Lehrer zu dem andern, zu lernen, was man lernen kann. Ihr müsset immerfort studieren, das halbe liebe Leben lang, ihr müsset zeitig euch dressieren in einen schulgerechten Zwang. Ihr müsset Prüfungen bestehen, die selbst ein Hiob kaum bestand, und dann noch bitten, […]

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Politische Gedichte von Hoffmann von Fallersleben. Besonders in den Jahren vor der deutschen Revolution 1848/49 schrieb er politische Gedichte, die große Wirkung erzielten.