Lauter Erzheuler und Rückwärtsler

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Es sieht doch zu traurig aus. Ich wollte auf den Kampfplatz zurückkehren, es ist aber für unser einen der Weg dahin seit lange schon abgesperrt. Ob heute der Angriff des Fürstenheers beginnt – wer kann das bestimmen ? Wir sind, ob schon in ziemlicher Nähe, doch so ohne alle genaue Nachrichten aus Baden und der Pfalz, als ob wir wie viele hundert Meilen entfernt wären. Ich werde wohl den Ausgang des Kampfes hier abwarten müssen. Wohin sollte ich auch ? Die Gefängnisse stehen für mich überall offen, und Sie wissen, vom Sitzen bin ich gar kein Freund. Siegen wir nicht, so wird wohl eine großartige Auswanderung erfolgen, der ich mich leider! anschließen muß.

So schreibt Hoffmann am 12.6.1849 aus Geisenheim an Ludwig Erk in Berlin. Und weiter “Die traurige Entwicklung unserer deutschen Angelegenheiten hat mich sehr verstimmt, mein ganzer Humor, meine gute Laune ist darüber zu Grunde gegangen, auch bin ich körperlich so leidend, wie ich so ohne Unterbrechung lange nicht war. Ich sitze stundenlang auf meinem Zimmer und lese allerlei, um mich geistig aufrecht zu halten.(…) Schreiben Sie mir doch und so schnell wie möglich! wenn’s auch nur einige Zeilen sind, es tut einem in dieser schrecklichen Zeit schon wohl, wenn man nur von den Seinen erfährt, daß sie noch leben. (…) Es ist für mich eine traurige Erfahrung, daß beinahe alle meine alten Freunde Erzheuler und Rückwärtsler geworden sind. (Briefe, S.154f)

“Freilich gab es denn immer noch Stunden, ja Tage, an denen die Aufregung groß war, wenn bedeutende Nachrichten einliefen aus Frankfurt, Stuttgart, Berlin, Wien und vom Kriegsschauplatze. Aber auch außerdem hatte sich meiner eine Unruhe bemächtigt, die wie ein schleichendes Fieber mich quälte und täglich zu wachsen schien. Ich studierte fortwährend die Landkarte, aber ich wußte nicht, wohin ich mich wenden sollte, es sah überall trostlos aus.

Den 14. Juni schrieb ich an Ida: Ich bin immer noch hier und weiß auch in der Tat nicht für den Augenblick wohin. In den alten preußischen Provinzen, wo das barbarische Landrecht gilt, ist es jetzt für keinen nur leidlich Freisinnigen geheuer. Das wenigste was ich zu befürchten habe, wäre ein Preßprozeß….Ich werde also unter solchen Umständen so lange auf dem preußischen Gebiete, wo das rheinische Recht gilt, bleiben und die Entwicklung unserer verworrenen, und sich täglich mehr verwirrenden, höchst traurigen Zustände abwarten…..”
(Mein Leben, Bd. 4, S. 77)

Am 18. Juni wird die Deutsche Nationalversammmlung aufgelöst. Die Revolution ist verloren. Hoffmann plant die zweite Auflage der Spitzkugeln. Aufgrund seiner Lebensbeschreibung wird nicht ganz klar, weshalb er einen Preßprozeß befürchtet, aus den Briefen, die er in diesen Tagen schrieb, schon eher.