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Gerade neun Jahre nach dem 14. Juli 1789, dem Tag des Sturms auf die Bastille, dem Beginn der französischen Revolution, wird am 2. April 1798 in dem Flecken Fallersleben August Heinrich Hoffmann, als Sohn von Heinrich Wilhem Hoffmann, einem Kaufmann, und Dorothea Balthasar geboren. Hoffmanns Vater war 5 Jahre lang Bürgermeister des kleinen Ortes, das zum Herzogtum Hannover gehörte, das wiederum Teil des in Auflösung befindlichen "Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation" war. Dieses war in hunderte kleiner Fürstentümer und Territorien und die beiden sich uneinigen Großmächte Preußen und Österreich zerfallen. Die Revolution im Nachbarland Frankreich, das dadurch zur Nation wurde, deren Bürger die gleichen Rechte besaßen, hatte in den völlig rückständigen deutschen Landen kaum Wirkung. Die Fürsten befahlen, ihre unmündigen Untertanen hatten zu gehorchen, starre Standesschranken regelten das Leben. Man erzählte sich die Geschichte vom alten Kaiser Barbarossa, der im Kyffhäuser Berg mit seinen Soldaten darauf wartete, daß seine Stunde schlug.
1803
Statt dessen kam, als Hoffmann fünf Jahre alt war, der Kaiser Napoleon, und nun sollten die Untertanen das Land ihrer Fürsten verteidigen. Überall im Lande wurden Rekruten ausgehoben. "Die jungen Bauernkerle wurden nachts aus ihren Betten geholt und wenn sie nicht willig folgten, mit Gewalt fortgeschleppt.", heißt es in seinen Lebenserinnerungen. Diese "gepreßten Vaterlandsverteidiger" wurden eingesperrt und teilweise in die Armee geprügelt. So war es nicht nur in Hannover, und daher kann es nicht verwundern, daß bald die französischen Revolutionstruppen siegten, und so wurde der Flecken Fallersleben französisch, eine Schwadron reitender Artillerie wurde im Ort stationiert
Hoffmann und die anderen Kinder liebten die "schönen Uniformen und zogen überall mit, wenn es Übungen und Paraden gab. Wir konnten uns nur wundern, wenn wir zu Hause hörten: Das sind unsere Feinde..." Hoffmann beschreibt die Franzosen als freundlich, die Soldaten wurden von ihren Vorgesetzten niemals roh behandelt und sie verhielten sich auch nicht wie Knechte, das stand im absoluten Gegensatz zu dem, was er bei seinen Landsleuten erleben mußte, es gab keine Prügel, kein Spießrutenlaufen, die Kinder spielten gerne Soldat, das Soldatenleben schien lustig zu sein.
Der Sieg der Franzosen bedeutete auch formal das endgültige Ende des alten Reichs, am 6. August 1806 legt Franz II die Kaiserkrone nieder, Napoleon teilt das Land neu auf, und Hannover wird den Preußen zugeschlagen. Die Stimmung in der Bevölkerung ist zunächst gegen die neuen Herren, in alter Untertanentreue, über die Hoffmann später so oft spotten sollte, hängt man am Landesfürsten fest. Zwar ist man die Franzosen mit ihren Abgaben los, aber unter den Preußen ergeht es den Menschen keineswegs besser. Die Veränderungen lassen den Ort mehr oder weniger unberührt, allerdings gibt es zunächst keine Soldaten mehr in Fallersleben, Dafür reichlich Gerüchte. Und im Herbst des gleichen Jahres ziehen tausende preußische Soldaten durch den Ort, Fußvolk, siegessicher, mit Trommeln und lebenden Truthähnen als Verpflegung, ein beeindruckendes Bild für den Knaben, erneut gibt es Krieg. Schon einige Wochen später kommen die Soldaten zurück, "im erbärmlichen Aufzug, sie hatten nichts weiter gerettet als das Leben und den Brotbeutel. ..Durch ihren traurigen Anblick und die Erzählungen von ihren Leiden und Strapazen erregten sie allgemein großes Mitleid , sie fanden überall Unterstützung. Die Durchzüge der Flüchtlinge und Versprengten dauerten noch mehrere Tage fort." Aus dem "Hamburger Unparteiischen Korrespondenten" , den Hoffmanns Vater zweimal wöchentlich aus dem liberaleren Hamburg kommen ließ, erfuhren die Fallerslebener von der Schlacht bei Jena . Hoffmann saß mit am Tisch, lauschte den politischen Debatten und las auch vor. " Der Haß gegen Preußen, der im Kurstaate Hannover ein ziemlich allgemeiner gewesen, war jetzt ziemlich verschwunden, das große Unglück hatte große Teilnahme erweckt....So oft man auf Blüchers Niederlage in Lübeck und die dortigen Greuel zu sprechen kam, wurden wir über die Franzosen empört...Ja!, rief dann eine Stimme, es ist mit uns Deutschen vorläufig vorbei...! und eine andere meinte dagegen: Laß nur ! Die Preußen werden die Franzosen ins Land locken und ihnen den Garaus machen. Leider hatte jene erste Stimme, ich glaube, die meines Vaters, recht: es war vorläufig mit uns vorbei, es folgte ein schmachvoller Friede ".
1806
So wächst im dem achtjährigen Jungen, wie in der übrigen Bevölkerung, langsam der Haß auf Frankreich und der sehnsuchtsvolle Wunsch, daß es mit "uns Deutschen" etwas werden würde. Aber was war denn Deutschland damals: ..."wo unter den verschiedenen Ständen und Klassen der Einwohner keine Gemeinschaft sei; wo der hohe Adel nichts mit dem geringeren, der geringere nichts mit dem neueren, dieser nichts mit den Bürgern, die Bürger mit den Bauern nichts gemeinschaftliches haben, wo einer den andern ausschließt...". So ein Zeitzeuge von des alten Reichs, und ein anderer: "...es hatte das Aussehen, als wohnten verschiedene Nationen gemischt untereinander." Ein Leben lang gehörte man durch Geburt seinem Stand an.
So legt sich die Aufregung allmählich, Ende des Jahres 1807 führen von der Universität zurückgekehrte Studenten und gleichgesinnte junge Bewohner des Ortes, darunter Hoffmanns Bruder Daniel "Die Räuber" von Schiller auf, was den neunjährigen sehr beeindruckte. Man richtet sich ein, wieder kommen Franzosen. Als 1808 Soldaten im Ort stationiert werden, vermittelt Daniel, der einzige, der es Französischen mächtig ist, er freundet sich mit den jungen Offizieren an, Daniel führt so, laut Hoffmann die Bürgermeistergeschäfte mit seinem Vater, dem eigentlichen Bürgermeister. Über die Franzosen schreibt Hoffmann wieder nur freundliches, ihr Benehmen war gut, auch wenn sie betrunken waren. |