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Am 8. Februar kehrte ich zurück in den Frieden meiner Häuslichkeit und zu meinen stillen erfreulichen Arbeiten. Gleich nach meiner Ankunft kündigte ich meine Wohnung. Wir waren dadurch der Nothwendigkeit, uns nach einem andern Wohnorte umzusehen, näher gerückt. Jetzt wurde aber die Ungewißheit, worein wir versetzt waren, von Tage zu Tage peinigender. Von Weimar kam weiter keine Nachricht als die Anzeige des Herrn von Schober vom 15. Februar, daß der Großherzog die Widmung meines Buches ›mit Vergnügen genehmige.‹ Da verschloß ich mich nach Bonn zu gehen, um Schaden zu bestimmen mit mir zusammen nach Weimar zu reisen und so eine Entscheidung herbeizuführen. Schade war bereit, nach einigen Tagen aber sagte er mir ab. Ich trat nun allein die Reise an, den 4. März traf ich in Weimar ein. Bald nach meiner Ankunft im Erbprinzen zum Hofrath Sauppe, Direktor des Gymnasiums. Er bittet seine Freunde Preller und Schöll herüber zu kommen. Da alle drei Hofräthe sind und Beziehungen zum Hofe haben müssen, so spreche ich von meinen Angelegenheiten und erbitte mir ihren Rath. Sie meinen, es sei wol das Beste, wenn ich etwas Schriftliches von Sr. königl. Hoheit erlangen könnte. Wir bleiben bis 1 Uhr ganz heiter beisammen.
5. März. Audienz beim Minister von Watzdorf. Ich trage ihm offen mein Anliegen vor. Er äußert sich sehr wohlwollend, wünscht aber ganz aus dem Spiele zu bleiben, er betrachtet die Sache als eine rein persönliche des Großherzogs. Wir kommen auf mein Verhältniß zu Preußen. Der Minister hat in Berlin angefragt und zur Antwort erhalten, man habe nichts gegen meine Uebersiedelung nach Weimar, übrigens warnt er mich vor einer Theilnahme an politischen Dingen.
Des Nachmittags führt Sauppe mich auf den Weg nach der Altenburg zu Liszt . Als wir vor der steinernen Treppe am Wäldchen Abschied nehmen, ist mir so eigen zu Muthe, als ob ich von allen Weimarischen Hofräthen schiede, denn daß Liszt näher dem Großherzoge stand als jene, wußte ich bereits. Liszt empfing mich wie einen alten Freund. Wir sprachen uns über die Göthestiftung aus und unsere daraus bezüglichen Vorschläge an den Großherzog, die dieser nur Liszt mitgetheilt hatte. Ich lese einige Gedichte vor zum Champagner. Die Fürstin von Wittgenstein erscheint; auch sie ist sehr erfreut über meine Lieder. Liszt wird den Großherzog um eine Audienz für mich ersuchen und vorher noch selbst mit ihm sprechen.
6. März. Um 12 Uhr auf der Bibliothek. Preller legt mir die Handschriften- und Incunabeln-Verzeichnisse vor. Ich finde ein handschriftliches Liederbuch vom J. 1537, worin nebst einigen deutschen herrliche niederländische Volkslieder, wie ich´s sehr bald herausfinde, trotzdem daß die Handschrift sehr schlecht geschrieben ist. Um 5 zur Tafel bei der Fürstin von Wittgenstein. – Um 7 fahre ich mit Liszt ins Schloß.
Der Großherzog erst etwas ernst, dann heiter, gesprächig, theilnehmend. Wir sprechen über litterarische Dinge, die Göthestiftung, unsere Zeitschrift u. dgl. Als ich des Weimarischen Musenalmanachs erwähne, ist er begierig, einige dafür bestimmte Gedichte zu hören. Ich lese mehrere meiner Lieder. Er ist sehr erfreut und thut seinen Beifall in Einem fort kund: ›Vortrefflich, herrlich, schön, wunderschön!‹ oder sich an Liszt wendend: ›Charmant, très-beau, superbe!‹ ›Noch einige!‹ Und ich fahre wieder fort. Zuletzt übersetze ich noch mein altniederländisches Scheidelied41 und überreiche ihm die Loverkens (Pars VIII. der Horae belgicae), nachdem ich die Entstehung derselben erzählt habe. – Nach einer Stunde fahren wir zur Altenburg zurück. Ich bin mit Liszt allein und wir besprechen meine Angelegenheit. Um 12 begleitet er mich nach Haus.
7. März. Ich miethe mir eine Wohnung und schreibe an Ida. Mittags bei Schöll, nachher mit ihm spaziert. Später besucht mich Liszt. Den Abend bin ich bei Sauppe.
8. März. Liszt erzählt mir, wie sich der Großherzog über mich geäußert habe und daß er uns beide morgen um 9 erwarte. – Mittagsessen auf der Altenburg: Frau von Schorn mit ihrem Sohne, er französische Gesandte Graf Talleyrand, Prediger Steinacker , Musiker Peter Cornelius . Nach Tische lese ich meine Oper, dann spielt Liszt drei Stücke, später lese ich noch einige Lieder. Viele Schüler Liszt´s haben sich nach und nach eingefunden. Alles in heiterer und dankbarer Stimmung. Um 11 Uhr heim.
9. März. Kurz vor 9 kommt Liszt und holt mich ab ins Schloß. Der Großherzog empfängt uns sehr freundlich. Er spricht sich über sein Verhältniß zu der beabsichtigten Zeitschrift ganz bestimmt aus; er bewilligt dem Unternehmen 1000 Rb. jährliche Unterstützung. Nach einer Stunde entläßt er uns. Er recht die Hand mit den Worten: ›Ich vertraue Ihnen, und das ist viel gesagt.‹ – Befriedigt eile ich in den Gasthof, mache mich reisefertig und fahre zum Bahnhof hinaus. Den Abend spät komme ich in Mainz an, den andern Tag erreiche ich Neuwied.
Ida war hocherfreut, daß sich die Weimarische Angelegenheit endlich so entwickelt hatte, daß wir getrost unsere Uebersiedelung ausführen konnten. Besonders lieb war ihr Liszt´s große Theilnahme, an ihm hoffte sie mit mir würden wir eine gute Stütze haben; sie hatte mir schon nach Bonn geschrieben, daß ihn Freiligrath ›einen edelen Menschen und unsern vielfach gebildetsten Künstler‹ genannt habe. |