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Heuss und Adenauer

Deutschlandlied Geschichte der deutschen Nationalhymne 1945-heute: Die Nationalhymne

1950 nun bat der erste Bundespräsident Theodor Heuss den ihm befreundeten Dichter Rudolf Alexander Schröder eine neue eigene Nationalhymne zu schaffen.Der Autor, der als Erneuerer des Kirchenliedes gilt, verband Vaterlandsliebe mit den christlichen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung.Bei einer Rundfunkansprache zum Jahresende 1950 las der Bundespräsident den Text vor, und anschließend wurde das Werk als Komposition Hermann Reutters uraufgeführt.

Land des Glaubens, deutsches Land,
Land der Väter und der Erben,
uns im Leben und im Sterben
Haus und Herberg, Trost und Pfand,
seid den Toten zum Gedächtnis,
den Lebend‘ gen zum Vermächtnis,
freudig vor der Welt bekannt,
Land des Glaubens, deutsches Land.

Land der Hoffnung, Heimatland,
ob die Wetter, ob die Wogen
über dich hinweggezogen,
ob die Feuer dich verbrannt,
Du hast Herzen, die vertrauen.
Lieb und Treue halten stand,
Land der Hoffnung, Heimatland.

Land der Liebe, Vaterland,
Heil´ger Grund, auf den sich gründet,
was in Lieb und Leid verbündet
Herz mit Herzen, Hand mit Hand.
Frei, wie wir dir angehören
und uns dir zu eigen schwören,
Schling um uns dein Friedensband,
Land der Liebe,Vaterland.

Ebenfalls im Jahre 1950 hatte der Bundeskanzler Konrad Adenauer bei einem Berlinbesuch eine öffentliche Veranstaltung im Titaniapalast mit dem Gesang der dritten Strophe des Deutschlandliedes beenden lassen, worauf Angehörige des SPD – Vorstandes empört den Raum verließen. Ernst Reuter und Louise Schröder aber blieben sitzen. Adenauer hintertrieb so die Bemühungen des Bundespräsidenten und im Mai 1952 kam es zu einem Briefwechsel zwischen den beiden.

29.4.1952, Brief von Adenauer an theodor Heuss

Die Frage einer "National-Hymne" ist in den vergangenen zwei Jahren wiederholt zwischen uns besprochen worden. Ich trage mich auch mit Zweifel an dem Gelingen, ihren Versuch, durch einen neuen Text, und durch eine neue Melodie über die unliebsamen Zwischenfälle hinwegzukommen, die bei der Wiedergabe oder bei dem Absingen des "Deutschland-Liedes" sich ereignet haben, es sollte vermieden bleiben, hier einen neuen Streit in unser Volk zu tragen. Sie haben mir selber gelegentlich zum Ausdruck gebracht, daß Sie das Bemühen als gescheitert betrachten müssen....Als das Kabinett Sie vor Monaten durch mich bitten ließ, sich für die dritte Strophe des "Deutschlandliedes" zu entscheiden, gab ich zu, daß ihre damalige Gegenargumentation eine innere Berechtigung besaß....Es ist wesentlich der außenpolitische Realismus, der uns, Ihnen wie mir, nahelegen muß, die Entscheidung nicht weiter hinauszuzögern...

Etwas zugespitzt heißt das doch, es gibt zwar gute Gründe gegen den Hoffmannschen Text, aber wir müssen ja nun mal eine haben, vor allem auch für das Ausland (was sollen sie denn singen in unseren Botschaften überall in der Welt ?), also nehmen wir halt diese.

2.5.1952, Brief von Theodor Heuss an Adenauer

"Sie haben Recht, ich wollte vermieden wissen, daß in öffentlichen Veranstaltungen mit einem vaterländischen Alzent, gleichviel wie ihre Ausdehnung oder wie ihr Rang sei, ein Mißklang ertöne, weil sehr, sehr viele Menschen unseres Volkes Haydns große Melodie nur eben als Vorspann zu dem "dichterisch" und musikalisch minderwertigen Horst – Wessel – lied im Gedächtnis haben, dessen banale Melodie den Marsch - tTakt in ein Volksverderben abgab. Doch das ist es nicht allein. Als mich die Frage nach einer Nationalhymne bewegte – und das liegt innerlich längst vor meiner Wahl zum Bundespräsidenten – glaubte ich, daß der tiefe Einschnitt in unserer Volks – und Staatengeschichte einer neuen Symbolgebung bedürftig sei, damit wir vor der geschichtlichen Tragik unseres Schicksals mit zugleich reinem und freiem Herzen, in klarer Nüchternheit des Erkennens der Lage bestehen werden"

Leider hat Heuss ein eher schwaches Gedicht eingereicht, der Text von Johannes Becher hätte eher die benötigte Qualität gehabt, so wurde also nach dem Prinzip des kleineren Übels verfahren und während viele Schreibtischtäter des Dritten Reiches wieder in Amt und Würden kamen , kam auch Hoffmanns Lied wieder an seinen Platz, ohne feierliche Proklamation, darauf verzichtete Theodor Heuss, und um zwei Strophen gekürzt. Offiziell gehört die erste wie die zweite Strophe zur Hymne, sie sind nicht verboten, sie werden aber auch nicht gesungen. So ist unsere Hymne ein Spiegelbild unseres Landes: Offiziell sind wir demokratisch, aufgeklärt und gastfreundlich ,unsere "Deutschland über alles" – Vergangenheit wird nicht mehr aufgeführt.

Manchmal möchte man schon selber, wie Hoffmann damals schrieb, mit dem Knüppel aus dem Sack, das ganze amerikanische Gedudel im Radio in die Mülltonne kloppen und den Musikantenstadel gleich mit. Und drauf hauen auf die neuen Philister und ganz besonders auf die "Teutschen", die der Vergangenheit huldigen und den Fortschritt nicht wagen wollen in ein freies Europa. Manches was Hoffmann damals schrieb, paßt noch immer wie die Faust aufs Auge, anderes was man heute noch singt, war schon zu seinen Lebzeiten völlig veraltet.



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Hoffmann von Fallersleben

Hoffmann von Fallersleben - Verfasser des Deutschlandliedes, seit 1922 die deutschen Nationalhymne. Autor von Kinderliedern, revolutionären Gedichten im Vormärz, Sprachforscher und Bibliothekar.

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