UliKlan
Juniorposter   Beiträge: 3 Registriert: 5/4/2007 Status: Offline
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erstellt am: 5/4/2007 an 12:15 |
Lieber Michael!
ich habe Dir erzählt, dass ich – zusammen mit meiner Band FORT-SCHROTT - auch sehr früh Sachen von Hoffmann von Fallersleben eingespielt habe.
Habe mich mit ihm seit damals intensiv beschäftigt - ursprünglich ähnlich fasziniert von seiner Widersprüchlichkeit wie Du vielleicht auch. Ich habe manche seiner Lieder in meinen Programmen gesungen und kommentiert, arrangiert und vertont: Texte aus seinen "Unpolitischen Liedern", aus den Auswandererliedern u.a.. – aber in begründeter Auswahl und von heute aus reflektiert. Seine Hasstiraden gegen Fremde haben wir rechts liegen gelassen. Ebenso Lieder wie Hoffmanns „Knüppel aus dem Sack“ – eine fast inhaltsfreie Prügelarie, bei der fast schon egal ist, wofür der Knüppel heraus geholt wird.
So zu sagen das „Hohelied (oder besser: „Niedergeschrei“) des Knüppels an sich“. Das ist Gewaltbereitschaft pur – sie gibt sich kaum mehr mit Rechtfertigung oder „humanen Zielen“ ab. Leider waren sich historisch genau darin manche „Linke“ und „Rechte“ fast bis auf’s Haar gleich. Ihr habt ausgerechnet Hoffmann’s Gewaltphantasie „Knüppel aus dem Sack“ zum Titelsong Eurer CD gemacht.
Uli Klan (25.3.2006)
2) mit FORTSCHROTT - politische Musiksatire - (www.fortschrott.de) spielten wir die Musik für "Zwischen Revolution und Romantik" ein, eine Buch- und MC-Edition zur 1848er Revolution von Hartmut Flechsig im Bosse Verlag (Regensburg 1980). Dort finden sich auch ausgewählte Lieder von Hoffmann von Fallersleben.
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Administrator   Beiträge: 3 Registriert: 5/4/2007 Status: Offline
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erstellt am: 5/4/2007 an 12:39 |
Liebe Uli!
Selbstverständlich haben auch wir "in begründeter Auswahl und von heute aus reflektiert" Hoffmanns Lieder neu eingespielt. Und das haben auch alle so gesehen, ob es nun die Jury vom Preis der Deutschen Schallplattenkritik war, die Bundeszentrale für Politische Bildung, das Goethe-Institut oder das Deutschlandradio Berlin, das uns mit dem Programm "Knüppel aus dem Sack" zum Festival der europäischen Rundfunkanstalten nach Norwegen geschickt hat. Und die haben alle nicht gesehen, was du siehst?
Das ist nicht die pure Gewaltbereitschaft. Es ist zuerst einmal Hoffmanns Antwort auf die Gewalt, die man seinen großen Vorbildern, den Gebrüdern Grimm angetan hat, als sie mit den den anderen Göttinger Professoren entlassen worden waren, wegen ihres Eintretens für die Demokratie (http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6ttinger_Sieben)
Deshalb bezieht sich "Knüppel aus dem Sack" auf Grimms Märchen vom "Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack", was ja auch in derZeile "Ach Märchen würdest du doch wahr" deutlich wird. "Freiheit, Recht und Ruh" will er schaffen. Das hieß Revolution, und die war nur mit einem bewaffneten Aufstand zu schaffen. Gegen die, die gerade sieben Menschen für ihre Zivilcourage Gewalt angetan hatten. Hoffmann solidarisierte sich mit denen - das war mutig.
Und es ist was anderes, ob man auf die Fürsten und Soldaten eindrischt, die einem vorher Gewalt angetan haben, als auf wehrlose Mitmenschen, die man "einfach nur " hasst. Oder?
Brecht schreibt dazu in "An die Nachgeborenen"
Dabei wissen wir doch:
Auch der Hass gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.
Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.
Dabei will ich nicht verschweigen, daß die Nazis die Knüppel-Metapher später benutzt haben. Gegen schwache und wehrlose, nicht gegen Fürsten und Soldaten.
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